Über den richtigen Optimismus

Es gibt Menschen, die von Natur aus optimistisch sind. Optimistisch sein ist gut, ja, es ist sogar eine der Voraussetzungen für das Gottvertrauen. Aber es gibt einen naiven und einen an der Wirklichkeit orientierten Optimismus. Der naive Optimist spricht: „Gott sei Dank, alles ist gut.“. So, als ob es nichts Schlechtes in der Welt gäbe. Das Schlechte aber gut zu nennen, ist hartherzig und gefühllos. Es ist eine Form der Realitätsverweigerung. Das Böse in der Welt existiert, wird aber keinen Bestand haben und im Guten enden. In sich ist das Böse aber schlecht. Die bekannten Aussagen „Auch dies ist zum Guten“ (Talmud, Taanit 21a) und „Alles, was der Barmherzige wirkt, bewirkt er zu Guten“ (Talmud, Berachot 60b) setzen die Existenz des Böse in der Welt als gegeben voraus, drücken aber den Gedanken aus, dass Gutes daraus hervorkommen wird. Der wahre Optimist spricht also: „Alles ist zwar jetzt schlecht, aber alles wird sicher gut werden.“ Er ist bereit die enorme Radikalität des Bösen anzunehmen und zu bekennen: dennoch, es wird gut.

aus: Rabbi Oury Cherki, Chiddush Gadol (Große Neuerung). Einblicke in sein Denken, Jerusalem: Ourim 2018, Seite 154

Übersetzt aus dem Hebräischen von Adalbert Osterried

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