Ein noachidisches Purim

Das Purimfest wird schon seit Jahrtausenden gefeiert. Damals gewann das Volk Israel den Krieg gegen seinen grössten Feind Amalek. Haman, der in der Zeit des persischen Königs Ahasveros das Judentum auslöschen wollte, stammte von Amalek ab.

Was bedeutet der Krieg gegen Amalek? Es ist ein Kampf gegen den Absolutismus, der alles ausfüllen und den Sinn des Lebens für sich reklamieren will. Darum geht es in der Esther-Rolle. Haman berichtet seinen Nächsten und seiner Frau Zerech, dass der König ihn über alle seine Fürsten und seine ganze Gefolgschaft gesetzt hat. Er erzählt: „Die Königin Esther hat niemanden ausser mich zu dem Essen eingeladen, das sie für den König zubereitet hat, und auch morgen bin ich zu ihr und dem König eingeladen“ (Esther 5,12). Das bedeutet einen grossen Erfolg, niemand im ganzen Reich ist so mächtig wie er. Doch er ist nicht zufrieden: „Alles das hat keinen Wert“ (5,13). Haman stört eine einzige Person, die sich ihm nicht beugen will. Nichts ist für ihn perfekt, solange es noch jemanden gibt, der sich weigert, sich ihm und der von ihm eingeführten Diktatur zu unterwerfen.

Für diese Art der Einstellung steht Amalek. Seit Generationen setzt das Volk Israel kämpfend ein Zeichen, dass es etwas und jemanden gibt, der sich nicht einfach so unterwerfen lässt. Diesen Sieg feiern wir an Purim.

Die Bibel erzählt: „Viele aus den Völkern des Landes gaben sich als Juden aus“ (8,17).
Was bedeutet das? Viele Leute kamen dem Judentum näher und übernahmen von sich aus einen Teil der jüdischen Gebote. Es gibt historische Belege dafür, dass der Einfluss des Judentums im hegemonialen Perserreich zu dieser Zeit tatsächlich sehr gross war. Der Talmud berichtet aber, dies habe nicht lange gedauert. Weshalb nicht?

Das Volk Israel befand sich zu dieser Zeit im Exil. Ohne eine nationale Heimat konnte das jüdische Volk nicht genug auf die Erde ausstrahlen. Ihr Einfluss blieb einer verlöschenden Kerzenflamme gleich.

Dies hat sich geändert, seit mit Gottes Hilfe der Staat Israel als spirituelles Zentrum gegründet wurde. Viele Menschen aus der ganzen Welt werden zu Kindern Noachs und gelangen in den positiven Einfluss des Judentums. Und dies sogar ohne Konvertierung, sondern nur durch das Hören von Gottes Wort aus Jerusalem.

Eines der Hauptmerkmale des Purimfestes ist der Weingenuss. Das mag zuerst nicht besonders respektabel erscheinen. Der Talmud klärt uns aber über die tiefergehende Bedeutung auf: „Für Betrunkene wird die Welt zu einer Ebene“. Der Betrunkene kann nicht zwischen wichtig und überflüssig, hoch und tief, vielleicht nicht einmal zwischen gut und böse unterscheiden. Das Prinzip, das uns der Wein eröffnet, ist, dass für den Schöpfer alles Eins ist. Gott gibt allen Menschen das Leben, ohne Unterschiede bei der Volkszugehörigkeit zu machen.

Die Erlösung des Volkes Israel, die am Purimfest gefeiert wird, ereignete sich durch unsere Prinzessin Esther aus der Mitte der Nationen heraus. Im unfreiwilligen Exil wurde der Grundstein für einen jüdischen Einfluss gelegt, der jahrtausendelang verdeckt blieb. Heute, da wir in unser Land zurückgekehrt sind, beginnt dieser einst verborgene Einfluss deutlich sichtbar zu werden.

Ich wünsche dem Volk Israel und der ganzen Menschheit ein fröhliches Purim.

Oury Cherki

 

Uebersetzt aus dem Französischen von Thomas Thurnheer

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