Die universale Botschaft der Parascha Pinchas

Jeden Sabbat wird in allen Synagogen ein bestimmter Abschnitt aus der Torah vorgelesen, so dass jedes Jahr die gesamte Torah (5 Buecher Mose) vorgelesen werden. Der Wochenabschnitt wird auf hebraeisch Paraschat HaSchavua (oder nur kur Parascha) genannt. Diesen Sabbat (07.07.18) lesen wir die Parascha Pinchas (4. Mose 25,10 – 30,1). Hier einige Gedanken zur Parascha…

Sich unterscheiden, um den Segen herbeizuführen

Zweimal wurde in der Wüste eine Volkszählung der Kinder Israel durchgeführt: Zu Beginn des
Buches Bamidbar (4. Buch Mose) und in unserer Parascha Pinchas. Da diese Bestandesaufnahmen den Kern dieses vierten Buches ausmachen, wird es natürlicherweise auch „Numeri“ (Buch der Zahlen) genannt.
Die Volkszählungen gleichen sich nicht ganz. Diejenige in unserer Parascha, die auf die tapfere
Tat von Pinchas folgt, durch die der Vermischung mit den Midianiterinnen ein Ende bereitet
wurde, hebt deutlich die Besonderheit Israels und seine Unterscheidung von den anderen
Völkern hervor. So schreibt Raschi (26,5): „Weil die Völker sie verspotteten: Was geben diese
ihre Abstammung nach Stämmen an; sie glauben wohl, dass die Ägypter keine Macht über ihre
Mütter hatten? […] Darum verband der Heilige, gelobt sei er, seinen Namen mit ihnen […].“
Wenn dies so ist und das jüdische Volk sehr bestimmt darauf besteht, dass es sich von anderen
Völkern unterscheidet, wie soll es da noch Einfluss auf sie nehmen können? Wie soll es seinen
universalen Lehrauftrag erfüllen?
Auf Worte, die uns vom positiven Effekt jener gewollten Unterscheidung überzeugen, treffen
wir überraschenderweise bei einem der grössten Pädagogen aller Zeiten:
„In der Sorbonne ist es so klar wie der Tag, dass sich die messianischen Weissagungen auf Jesus
Christus beziehen. Bei den Rabbinern in Amsterdam gilt es für ganz eben so klar, dass sie nicht
den geringsten Bezug auf ihn haben. Ich werde mir nie eine vollständige Kenntnis der Gründe
der Juden zutrauen, so lange sie nicht einen freien Staat, nicht Schulen und Universitäten
haben, in denen sie ohne Gefahr reden und disputieren können. Dann erst sind wir zu erfahren
im Stande, was sie zu sagen haben.“ (Jean Jacques Rousseau, Emile).
Nur eine Person ausserhalb des Volkes Israel konnte die Notwendigkeit seiner Unabhängigkeit
verstehen, die es benötigt, um seine Ideen auszudrücken und seine Besonderheit zu
praktizieren.
Schon zweihundert Jahre später tritt im Volk Israel jemand auf, der genau diese Ansicht aus den
jüdischen (kabbalistischen) Quellen herleitet. Er erklärt, dass der Segen der Welt gerade von der
Differenzierung des Heiligen herrührt: Dann, wenn das Volk Israel sein Königtum vollständig lebt
und so in der Lage ist, der ganzen Welt Licht und Segen zu spenden (Rav Kook, Orot Hat’hya, Kap. 15).
Um dieser Differenzierung willen, zu der uns Pinchas und auch der Eifer des Propheten Elia auffordern, und um sie über die Generationen aufrecht zu erhalten, praktizieren wir die Brit Mila. So werden die Einzigartigkeit, aber auch die Kraft der Botschaft Israels der Welt offenbar,
damit die an Abraham ergangene Verheissung erfüllt wird, dass „durch dich alle Familien des
Erdbodens gesegnet werden“ (Gen. 12,3).
Schabbat Schalom der ganzen Welt
Chaim Goldberg
Leiter der englischsprachigen Abteilung des Noachidischen Weltzentrums

Uebersetzt aus dem Franzoesischen: Th. Thurnheer

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