Die universale Botschaft der Parascha Balak

Jeden Sabbat wird in allen Synagogen ein bestimmter Abschnitt aus der Torah vorgelesen, so dass jedes Jahr die gesamte Torah (5 Buecher Mose) vorgelesen werden. Der Wochenabschnitt wird auf hebraeisch Paraschat HaSchavua (oder nur kur Parascha) genannt. Diesen Sabbat (30.06.18) lesen wir die Parascha Balak (4. Mose 22,2 – 25,9). Hier einige Gedanken zur Parascha…

 

Bileam und die geistige Welt der Völker

Unsere Weisen haben gesagt: „Moses hat sein Buch, das Buch Hiob und die Geschichte von Bileam
niedergeschrieben“ (TB BB 14b). Die Prophetien Bileams sind zweifellos Teil der Thora, weshalb
also das Interesse daran, ihre Autorschaft durch Moses in Erinnerung zu rufen? Hat nicht Moses
die ganze Thora geschrieben? Der Grund liegt in der speziellen Bedeutung der Prophetien
Bileams. Sie stehen für die geistige Welt der Völker, in der Bileam das Gegenstück zu Moses im Volk
Israel darstellt. Dies meinen unsere Weisen damit, wenn sie sagen, dass „in Israel keiner wie Moses
mehr aufgestanden ist, unter den Nationen aber gab es einen, Bileam“.
Da die Thora nur Israel und nicht den Völkern gegeben wurde, hätte man denken können, dass die
Worte Bileams eigentlich keinen Platz darin gehabt hätten. Aber Moses hat in seiner grossen
Heiligkeit die Prophetien Bileams ebenfalls empfangen. Er kannte ihren Inhalt nicht nur, weil
Bileam sie aussprach, sondern weil er sich prophetisch auf der gleichen Stufe mit ihm befand.
Die Prophetien Bileams wurden in die Thora eingeführt, um uns zu zeigen, dass die Thora nicht
komplett sein kann, ohne auch die Spiritualität der Völker zu enthalten. Die Konsequenz dieser
Unterweisung ist die Notwendigkeit, sich dafür zu interessieren, dass das Judentum universal
gelehrt wird. Dazu gehören sowohl der Unterricht der Kinder Noahs in den ihnen aufgetragenen
Geboten wie auch die Weitergabe von Israels gesamter Botschaft an die Nationen.
Ich wünsche allen Kindern Noahs eine gute Woche.
Oury Cherki

 

Autor: Rabbi Oury Cherki, Uebersetzt aus dem Franzoesischen: Th. Thurnheer

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Über Rabbi Oury Cherki

Rabbi Oury Cherki
1959 in Algerien geboren, wuchs er in Frankreich auf und wanderte 1972 nach Israel aus. Er studierte Torah bei unserem Lehrer und Rabbiner Rabbi Zvi Yehuda HaCohen Kook s.A. und seinen Schülern, bei Rabbi Yehuda Leon Ashkenazi ("Manitou") s.A. und Rabbi Shlomo Binyamin Ashlag s.A.. Rabbi Cherki leitet die israelische Abteilung des Machon Meir, das „Meir Zentrum für jüdische Studien in Französisch" (CMEJ) und das Noachidische Weltzentrum. Er versieht auch den heiligen Dienst als Rabbiner der Gemeinde "Beit Yehuda" in Kiryat Moshe, Jerusalem.

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