Ein Haus des Gebets für alle Nationen

von Rabbi Chaim Rettig

Vor über 2000 Jahren stand auf dem Tempelberg in Jerusalem ein Tempel, wo man betete und Opfer darbrachte. Im Allerheiligsten – innerhalb des Tempels – erschien die Sch’china, die Gegenwart Gottes, und war dem Volk Israel sehr nahe. Die Welt war damals ganz anders organisiert als heute. So war es vor langer Zeit.

Vor ca. 2000 Jahren, am 9. Av [jüdischer Monat], welcher dieses Jahr auf den Dienstag, 5. August fällt, wurde der Tempel vom grausamen Eroberer Titus zerstört. Er verbrannte ihn vollständig und stahl alle seine Schätze. Danach baute er einen Triumpfbogen in Rom, der bis heute zu sehen ist und bis heute die Besiegung der Juden und des Judentums zelebriert. Titus verstand nicht, dass der eigentliche Schaden, den er angerichtet hat, nicht nur dem jüdischen Volk galt, sondern allen Nationen der Welt.

Ich möchte obige Aussage etwas näher ausführen. Auf welche Art litten nicht nur die Juden, sondern die ganze Welt vom Sieg von Titus? Um dies zu beantworten, muss ich erklären wie die ganze Welt am Gottesdienst auf dem Tempelberg, unter der Leitung des jüdischen Volkes, teilgenommen hat.

Israel ist ein Königreich von Priestern und eine heilige Nation. [Exodus 19,6] Seine Rolle ist einen Einfluss auf die Welt zu haben, und in der Tat, wenn Israel auf seinem Land lebt, als unabhängige Nation, wenn der Tempel existiert und der Gottesdienst stattfindet wie er sollte, dann profitiert die ganze Welt. Alle Nationen der Welt profitieren von dem spirituellen Einfluss der Nation Israel und alle werden dadurch spirituell erhoben.

Unsere Weisen sagen, dass der Tempel den Nationen der Welt sogar mehr half als Israel. “Wenn die anderen Nationen gewusst hätten wie wichtig der Tempel für sie ist, hätten sie bewaffnete Truppen um ihn herum aufgestellt, um ihn zu schützen, da er für sie noch besser ist als für Israel.” Der Tempel ist nicht nur für Israel gedacht, er ist ein Zentrum für die ganze Menschheit. Jeder ist von ihm positiv (oder negativ) beeinflusst, und jeder kann selbst wählen wie er beeinflusst sein möchte.

Der Tempel gehört auch den Gerechten der Nationen, den Bnei Noach. Es ist wahr, dass der Teil des Tempelberges, welcher ein Nichtjude betreten darf, beschränkt ist, aber jede/r Ben/Bat Noach kann ein Opfer bringen, welches vom Priester dargebracht wird. Jeder kann zum Tempelberg kommen um zu beten. Gott hat gesagt “Mein Haus ist ein Haus des Gebets für alle Nationen.” Es ist das universale Zentrum des Gottesdienstes für die ganze Welt.

“Was die Fremden betrifft, welche sich Gott anschliessen, Ihm zu dienen, Seinen Namen zu lieben und Seine Diener zu sein – alle, die den Sabbath hüten, damit er nicht entweiht werde und die Meinen Bund halten: Ich werde sie zu Meinem heiligen Berg bringen, und Ich werde sie erfreuen in Meinem Haus des Gebets. Ihre Ganzopfer und andere Opfer werden freundlich aufgenommen werden auf Meinem Altar. Mein Haus ist ein Haus des Gebets für alle Nationen. So spricht Gott, der die Zerstreuten Israels sammelt. Ich werde alle sammeln, die noch weit entfernt sind.” (Jesaja 56:6-8).

Eine Zeitperiode wurde als bestpassend für alle Nationen festgesetzt, zum Tempelberg hinaufzukommen. Es ist das Fest Sukkot, welches für die natürliche Welt relevant ist, und wo alle 70 Nationen der Welt kommen können um Gott zu dienen. Der Prophet sagt: “Es wird geschehen, dass alle, die übrigbleiben von den Nationen, die Jerusalem angegriffen haben, werden jedes Jahr hinaufkommen und sich bücken vor dem König, dem Gott der Heerscharen, und das Sukkot-Fest feiern.” (Sechariah 14:16)

Dieser gemeinsame Gottesdienst von Bnei Noach und dem Volk Israel am heiligsten Ort der Welt trägt eine gewaltige Intensität in sich, sowohl in Quantität als auch in Qualität. Die Folge von dieser gemeinsamen Aktivität von Israel und den übrigen Nationen, spirituell getrennt aber ähnliche Aufgaben ausführend, ist, dass ein einzigartiges Göttliches Licht der Welt offenbart werden wird.

Deshalb müssen wir in dieser Zeit des Jahres, wo wir der Zerstörung des Tempels gedenken, alles tun was wir können, um den Wunsch zu erneuern, ihn wieder aufzubauen. Dies ist nicht nur für Israel relevant, sondern für die ganze Menschheit, weil das Resultat sein wird, dass das Göttliche Licht wieder auf die ganze Bevölkerung der Erde scheinen wird. Die Rückkehr Israels in sein Land, der Wiederaufbau des Landes und besonders des Tempels wird das Licht der Erlösung für die ganze Welt bringen. Lasst uns hoffen und beten, dass wir dieses Jahr den Wiederaufbau des Tempels erleben dürfen.

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Über Rabbi Oury Cherki

Rabbi Oury Cherki
Rabbi Uri Scherki wurde 1959 in Algerien geboren und wuchs in Frankreich auf. 1972 immigrierte er nach Israel. Er studierte an der Merkaz HaRav Yeshiva, welche von Rav Avraham Yitzchak Kook gegründet wurde. Seinen Militärdienst absolvierte er in der Artillerie des IDF. Er lernte mit den Rabbinern Rav Tzvi Yehuda Kook, Rav Yehuda Leon Ashkenazi (Manitou), Rav Shlomo Binyamin und Achlag. Rav Scherki ist der Leiter der israelischen Abteilung von Machon Meir und der Direktor von Brit Olam. Er unterrichtet an verschiedenen Orten in Israel. Des Weiteren leitet er die Beit Yehuda Gemeinde in Kiryat Mosche (Jerusalem) und er schrieb zahlreiche Bücher über Jüdisches Denken und Philosophie.

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