Die 7 Noachidischen Gebote

von Rabbiner Uri Cherky

Gemäss dem Judentum ist ein Noachide verpflichtet 7 Gebote einzuhalten.

Die 7 Noachidischen Gebote sind:

1) Das Verbot des Götzendienstes
2) Das Verbot der Gotteslästerung
3) Das Verbot des Blutvergiessens (Mord)
4) Das Verbot von sexueller Unmoral
5) Das Verbot des Diebstahls
6) Das Verbot Fleisch eines noch lebenden Tieres zu essen
7) Das Gebot ein gerechtes Gerichtssystem aufzubauen

Diese sieben Gebote können in verschiedene Gruppen aufgeteilt werden:
Die ersten zwei Gebote behandeln die Beziehung zwischen Gott und Mensch.
Die nächsten zwei Gebote behandeln die Beziehung zwischen Mensch und Mitmensch.
Das fünfte und sechste Gebot behandelt die Beziehung des Menschen mit sich selbst (Charakter).
Das letzte Gebot, gerechte Gerichte zu schaffen, bildet den Rahmen, der nötig ist um die restlichen Gebote auszuführen.
Gemäss dieser Aufteilung fordert die Torah von Israel den Noachiden auf, seine Wege in drei Bereichen zu prüfen und zu verbessern: theologisch, sozial und seelisch.

1) Götzendienst
Ein Noachide darf nicht an heidnischen Gottesverehrungen teilnehmen. Es ist zu beachten, dass es eigentlich kein positives Gebot gibt, das den Noachiden zwingt an die Existenz Gottes zu glauben; vielmehr ist die Definition negativ, d.h. ein Verbot. Aspekte dieses Verbots beinhalten: Gebete, Opferung, Räucherwerk, Libationsopfer, Verbeugung und jegliche andere Art, die gebräuchlich ist für die entsprechende „Gottheit“.
Die Abneigung zu Götzendienst wird als so grosse Tugend angesehen, dass unsere Weisen sagen (Megilla 13a): „Jeder, der sich von Götzendienst abwendet, wird Jude genannt.“
Die Wichtigkeit dieses Gesetzes liegt in der Tatsache, dass Götzendienst den Menschen zum Sklaven macht, während Gottesdienst den Menschen den Ursprung seines Lebens erfahren lässt, was ihm Freiheit schenkt. Ebenso schwächen Götter in der Mehrzahl die innere Harmonie der Psyche, da man gezwungen ist, Werte – wie Liebe, Recht, Friede, Wahrheit, Gerechtigkeit oder Schönheit – einander zu bevorzugen und übereinanderzusetzen, während der monotheistische Glaube Frieden hat zwischen allen Werten.

2) Gotteslästerung
Ein Noachide darf nicht verachtende Worte gegen den Himmel aussprechen.
Die Wichtigkeit dieses Gebots stammt von der Tatsache, dass Geringschätzung der Ehre des Himmels eigentlich Verleugnung des Ursprungs des eigenen Lebens ist. Unter gewissen Aspekten kann man sagen, dass Blockieren der Quelle des Lebens noch schlimmer ist als Mord, weil Mord Leben verletzt, wohingegen Geringschätzung des Himmels sogar die Wurzeln des Lebens verletzt. So finden wir im Buch Levitikus (3. Buch Mose), dass die Verfehlungen nach Schwere geordnet werden. Zuerst kommt Gotteslästerung, dann Mord (eines Menschen), dann das Töten von Tieren und dann das Verletzen eines Menschen.

3) Blutvergiessen (Mord)
Ein Noachide darf keinen Menschen umbringen. Darin inbegriffen ist: Sterbehilfe, Abtreibung, und – ebenfalls damit verwandt – Erniedrigung eines Menschen.
Der Grund für dieses Gebot ist nicht unbedingt den Erhalt der sozialen Ordnung, sondern vielmehr der Ausdruck eines fundamentalen moralischen Wertes: „Gott hat den Menschen in Seinem eigenen Bilde erschaffen.“
Gemäss der Torah hat eine Gesellschaft als Ganzes die Erlaubnis sich zu verteidigen und in gewissen Fällen sogar in Krieg zu ziehen. Diese Fälle von erlaubtem Blutvergiessen sind in den „Gesetzen über den Staat“ geregelt.

4) Sexuelle Unmoral
Einige sexuelle Verbindungen sind dem Noachiden untersagt. Diese beinhalten: die eigene Mutter; die Frau des eigenen Vaters; die Schwester, die die gleiche Mutter hat; die eigene Tochter; die Frau eines anderen Mannes; Männer; und sexuelle Handlungen mit Tieren.
Die Wichtigkeit dieses Gebots basiert auf der Tatsache, dass die Kraft Leben zu schaffen in gewissen Grenzen gehalten werden muss um den Menschen zu erheben und nicht zu degradieren. Heiligkeit in intimen Verbindungen ist die Erfüllung des Segens von Gott, welcher Adam gegeben wurde: „Seid fruchtbar und mehret euch, füllet die Erde und kultiviert sie.“
Von dem Verbot gegen sexuelle Unmoral leiten wir auch die Regeln für sittliches Verhalten ab, das von allen erwünscht wird, die im Bilde Gottes erschaffen wurden.

5) Diebstahl
Einem Noachiden ist es verboten, vom Besitz eines Mitmenschen zu stehlen. Darin inbegriffen sind: Zurückbehalten von Löhnen der Angestellten, Entführung, Versklavung und die Frau eines anderen Mannes zu stehlen.
Die Wichtigkeit dieses Gebots liegt darin, dass der Besitz einer Person in gewissem Mass die Erweiterung seiner Seele ist. Die Weisen sagten (Baba Kama 119a): „Wenn jemand von seinem Mitmenschen eine Pruta (kleine Münze) stiehlt, ist es als hätte er von seiner Seele weggenommen.“ Aus diesem Grund ist das Verbot des Diebstahls eine Art Untergebot vom Verbot des Blutvergiessens.
Das Verbot gegen Diebstahl beinhaltet auch Geld und Besitz mit geringem Wert – sogar weniger als eine Pruta. Basierend auf diesem Gesetz wird angenommen, dass jemand von seinem Mitmenschen alles zurückverlangt, auch so ein kleiner Wert. Die Gesellschaft hat sich jedoch durch die Generationen so weiterentwickelt, dass es die Norm wurde, solch kleine Beträge zu ignorieren. Deshalb ist das Gesetz von „weniger als eine Pruta“ heute nur noch theoretisch.
Diebstahl von mehr als einer Pruta erfordert jedoch die Rückgabe des gestohlenen Objektes an seinen Besitzer.

6) Verzehr von Fleisch eines noch lebenden Tieres
Ein Noachide darf kein Fleisch essen, das von einem Tier genommen wurde, während es noch am Leben war. Darin inbegriffen sind: Muscheln, Blut eines lebenden Tieres.
Die Wichtigkeit dieses Gebots kommt von der generellen Barmherzigkeit, die die Torah lebenden Tieren entgegenbringt. Obwohl die Menschheit die Erlaubnis erhalten hat, Fleisch zu essen (aufgrund des Falles der Menschheit während der Generation der Sintflut), ist es verboten, Tiere grausam zu behandeln.
Das Verbot ist auch gültig nach dem Tod eines Tieres, welches grausam behandelt wurde.

7) Gerechte Gerichte
Die Nachkommen von Noach sind verpflichtet in jeder Gesellschaft ein Rechtssystem zu etablieren.
Gemäss Meinung von Maimonides erfordert das Gebot die Etablierung eines Rechtssystems, das Fälle von Nichteinhaltung der sechs anderen Gebote behandelt.
Gemäss Nachmanides erfordert das Gebot die Schaffung eines Rechtssystem, das Ordnung in allen Bereichen des sozialen Lebens schafft, darunter auch: Angelegenheiten der Regierung, Gesetze des Staates.
Theoretisch beinhaltet dieses Gebot auch die Möglichkeit Todesstrafen auszusprechen. In der Praxis müssen Strafen jedoch gemäss der gegebenen speziellen Situation der Gesellschaft und des moralischen Fortschrittes bestimmt werden.

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Über Rabbi Oury Cherki

Rabbi Oury Cherki
Rabbi Uri Scherki wurde 1959 in Algerien geboren und wuchs in Frankreich auf. 1972 immigrierte er nach Israel. Er studierte an der Merkaz HaRav Yeshiva, welche von Rav Avraham Yitzchak Kook gegründet wurde. Seinen Militärdienst absolvierte er in der Artillerie des IDF. Er lernte mit den Rabbinern Rav Tzvi Yehuda Kook, Rav Yehuda Leon Ashkenazi (Manitou), Rav Shlomo Binyamin und Achlag. Rav Scherki ist der Leiter der israelischen Abteilung von Machon Meir und der Direktor von Brit Olam. Er unterrichtet an verschiedenen Orten in Israel. Des Weiteren leitet er die Beit Yehuda Gemeinde in Kiryat Mosche (Jerusalem) und er schrieb zahlreiche Bücher über Jüdisches Denken und Philosophie.

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